Videoproduktion für Unternehmen: Vom Drehbuch zur Veröffentlichung
Wie durchläuft ein Unternehmensvideo wirklich Drehbuch, Dreh, Schnitt und Veröffentlichung? Ein Leitfaden, wer an jeder Stufe entscheidet.
rabbitclip-TeamVeröffentlicht: 5 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Ein Unternehmensvideo durchläuft vier Stufen, Drehbuch, Dreh, Schnitt, Veröffentlichung. Jede Stufe hat ihre eigenen Entscheidungen, und eine auf einer Stufe übersprungene Entscheidung kostet auf der nächsten das Doppelte; eine im Schnitt entdeckte fehlende Einstellung bedeutet, sie nachzudrehen, und ein Video, das ohne Rücksicht auf das Veröffentlichungsformat geschnitten wurde, muss am Ende für jede Plattform neu zugeschnitten werden.
Die meisten Unternehmer denken bei Videoproduktion zuerst an Kamera und Licht. In der Praxis entsteht der größte Zeitverlust, wenn die Drehbuchstufe übersprungen und direkt gedreht wird. Wird das Werbevideo einer Spa-Kette gedreht, bevor überhaupt feststeht, was es sagen soll, bleibt dem Schnitt am Ende ein Berg Rohmaterial ohne klare Idee, was damit anzufangen ist.
Was wird in der Drehbuchstufe entschieden?
Ein Drehbuch ist nicht nur der gesprochene Text; es legt fest, für wen das Video ist, auf welcher Plattform es läuft und wie lang es sein muss. Ein einminütiges Social-Media-Video und ein dreiminütiger Firmenfilm brauchen ein völlig anderes Tempo, andere Kameraabdeckung und eine andere Textmenge im Bild.
Eine weitere Entscheidung, die hier fallen muss, ist, welche Szenen vor Ort und welche in einem kontrollierten Studioumfeld gedreht werden. Aufnahmen der Produktionslinie eines Arbeitsschutzkleidung-Herstellers funktionieren meist besser vor Ort, während Produktdetailaufnahmen in einer kontrollierten Umgebung besser gelingen.
Worauf kommt es am Drehtag an?
Der Drehtag ist nicht der Tag, um etwas zu lösen, das im Drehbuch ungeplant blieb. Wurden Licht, Ton und Standortgenehmigungen nicht vorab geprüft, verliert das Team vor Ort Zeit; gibt es an einem Produktionsstandort Maschinenlärm, entscheidet die Mikrofonwahl, ob dieser Lärm im Video landet.
Dieselbe Szene aus mehr als einem Winkel zu drehen, gibt dem Schnitt Spielraum. Ein aus nur einem Winkel gedrehtes Interview wirkt im Schnitt beengt; liegen Totale, Halbtotale und Nahaufnahme gemeinsam vor, kann der Cutter das Tempo dem Video anpassen, nicht umgekehrt.
Was kann der Schnitt beheben, und was nicht?
Schnitt bedeutet, Szenen zu ordnen, das Tempo festzulegen, Überflüssiges herauszuschneiden und bei Bedarf Musik oder Grafik hinzuzufügen. Ein guter Schnitt kann aus einem durchschnittlichen Dreh ein starkes Video machen, aber er kann keine Szene erfinden, die nie gedreht wurde.
Untertitel sind ein wichtiger, aber zu oft übersprungener Teil des Schnitts. Da der Großteil der Social-Media-Videos ohne Ton angesehen wird, verliert ein Video ohne Untertitel einen großen Teil seiner Botschaft, bevor sie überhaupt gehört wird.
Warum sollte das Veröffentlichungsformat vor dem Dreh feststehen?
Läuft ein Video gleichzeitig auf Instagram Reels, YouTube und der Firmenwebsite, muss vor dem Dreh geplant werden, welche Szenen im Hoch-, Quer- und Quadratformat funktionieren, nicht danach. Sonst wird der Schnitt im Nachhinein für jede Plattform neu zugeschnitten, wodurch manche Szenen komplett wegfallen.
Es ist völlig normal, dass eine Spa-Kette sowohl einen hochformatigen Social-Cut als auch eine querformatige Website-Version desselben Videos möchte; beide können aus demselben Dreh kommen, sofern die Bildkomposition beim Dreh dafür schon Platz gelassen hat.
Wie lange dauert der Prozess, und wer entscheidet was?
Wie lange ein Firmenvideo dauert, hängt davon ab, wie schnell das Drehbuch freigegeben wird, von der Logistik des Drehtags und davon, wie viele Korrekturrunden eingeplant sind. Vorab geklärt werden muss, wer die endgültige Freigabe erteilt; verlangen mehrere Personen unabhängig voneinander Korrekturen, zieht sich der Prozess in die Länge.
Die Anzahl der Korrekturrunden vorab festzulegen, schafft für Agentur und Unternehmen gleichermaßen Klarheit. Unbegrenzte Korrekturen klingen großzügig, können in der Praxis aber bedeuten, dass das Video nie fertig wird.
Die Entscheidung läuft auf eine einfache Frage hinaus: Wie viele Personen oder Abteilungen müssen freigeben? Je mehr Freigebende beteiligt sind, desto wichtiger ist es, die Zahl der Korrekturrunden vorab schriftlich festzulegen; sonst verlangt jeder Freigebende seine eigene Runde, und der Zeitplan wird unvorhersehbar.
Häufige Fehler in der Videoproduktion
Der häufigste Fehler ist, einen Drehtermin festzulegen, bevor das Drehbuch richtig freigegeben ist. Wird das Drehbuch für den Produktlaunch-Dreh eines Bodenbelag-Herstellers am Vorabend geändert, kann das Team vor Ort stehen, ohne klare Einigung darüber, welche Szenen tatsächlich gedreht werden, und das kostet Zeit und Budget.
Der zweite Fehler ist, den Ton gegenüber dem Bild als Nebensache zu behandeln. Herrscht an einem Produktionsstandort ständiger Maschinenlärm und wurde das vorab nicht getestet, kann ein Interview mit unbrauchbarem Ton aus dem Schnitt zurückkommen; ein einfacher Tontest vor Ort hätte dieses Risiko aufgedeckt.
Der dritte Fehler ist, zwischen Drehbuchfreigabe und Schnitt keinen einzigen Zwischenkontrollpunkt einzuplanen; das Team dreht, übergibt dem Cutter das Material, und das Ergebnis weicht von dem ab, was alle erwartet hatten. Der vierte Fehler ist, das Veröffentlichungsformat erst nach dem Dreh festzulegen; da Szenen bereits auf eine bestimmte Weise im Bild komponiert sind, kann der spätere Bedarf an einem vertikalen Social-Cut manche Einstellungen schlicht unbrauchbar machen und einen Nachdreh erzwingen.
Eine Checkliste vor dem Dreh
Ein paar Punkte, die vor dem Drehtag geklärt sind, verringern den Zeitverlust vor Ort erheblich.
- Drehbuch und Szenenliste sind schriftlich freigegeben
- Standortgenehmigungen und Lichtverhältnisse wurden vorab vor Ort geprüft
- Ein Tontest wurde überall durchgeführt, wo Hintergrundgeräusche zu erwarten sind
- Für jede wichtige Szene ist mehr als ein Kamerawinkel eingeplant
- Bildkomposition, Hoch-, Quer-, Quadratformat, ist vor dem Dreh je Plattform festgelegt
Videoproduktion beginnt mit den richtigen Fragen, nicht mit der Kamera: für wen, wo, wie lang. In einer Produktionsplanung mit rabbitclip können wir diese Entscheidungen gemeinsam treffen, vom Drehbuch bis zum Veröffentlichungsformat.
Häufige Fragen
Ist ein Drehbuch wirklich nötig, oder kann man auch improvisiert drehen?
Bei kurzen, einszenigen Inhalten kann improvisiertes Drehen funktionieren; ein Video mit mehreren Szenen und einer Botschaft, die ankommen soll, endet ohne Drehbuch im Schnitt meist mit echten Lücken.
In wie vielen Formaten kann ein Video veröffentlicht werden?
Lässt die Bildkomposition beim Dreh das zu, können Hoch-, Quer- und Quadratformat alle aus demselben Dreh entstehen; ohne diese Planung braucht jedes Format einen eigenen Schnitt oder Nachdreh.
Sind Untertitel wirklich notwendig?
Da der Großteil der Social-Media-Videos ohne Ton angesehen wird, verliert ein Video ohne Untertitel einen erheblichen Teil seiner Botschaft; auch bei Firmenvideos lohnen sie sich aus Gründen der Barrierefreiheit.
Sollte die Zahl der Korrekturrunden unbegrenzt sein?
Nein, eine vorab festgelegte, feste Anzahl an Korrekturrunden schafft Klarheit und hält den Prozess in einem angemessenen Zeitrahmen.
