Produktfotos mit dem eigenen Team professionell fotografieren
Wie Licht, Hintergrund, Winkel und Bildbearbeitung Studioqualität ermöglichen, plus ein Schritt-für-Schritt-Plan für einen Fototag mit dem eigenen Team.
rabbitclip-TeamVeröffentlicht: 5 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Produktfotos, die das eigene Team aufnimmt, können den Eindruck eines professionellen Studioshootings zu einem großen Teil vermitteln, sobald Licht und ein konsistenter Hintergrund richtig eingerichtet sind. Der eigentliche Unterschied liegt nicht in einer teuren Kamera, sondern darin, dass jedes Produkt im gleichen Licht, aus demselben Winkel und vor demselben Hintergrund aufgenommen wird. Gemischtes Licht, wechselnde Kulissen und ein uneinheitlicher Winkel lassen selbst einzeln gut gelungene Aufnahmen in einem Katalog zerstreut wirken.
Manche Aufträge verlangen tatsächlich ein externes Team: Ein Kampagnenbild, ein Shooting mit Model oder eine Lifestyle-Szene mit kreativem Anspruch braucht meist eine professionelle Produktion. Für wiederkehrende Bedürfnisse jedoch, Katalogbilder, Produktvarianten, Marktplatz-Hauptbilder, ist ein fester Aufbau im eigenen Haus schneller und günstiger.
Dieser Beitrag behandelt Licht, Hintergrund, Kameraaufbau, Winkel und Bildaufbau, Entscheidungen bei der Bearbeitung und wie sich ein Fototag Schritt für Schritt planen lässt.
Licht: Fensterlicht oder Studiolicht
Natürliches Licht aus einem breiten, nach Norden ausgerichteten Fenster ist eine weiche, gleichmäßige Lichtquelle, doch seine Veränderung im Tagesverlauf, morgens, mittags und abends jeweils mit anderer Farbtemperatur, lässt sich schwer kontrollieren. Werden nicht alle Produkte im selben Zeitfenster fotografiert, tragen die in den Katalog aufgenommenen Bilder am Ende einen leicht unterschiedlichen Farbstich.
Ein einfacher Studioaufbau mit zwei Softboxen und einem Diffusor liefert unabhängig von der Tageszeit stets das gleiche Ergebnis, diese Konsistenz ist für einen großen Katalog mehr wert als Fensterlicht. Bleibt die Farbtemperatur (der Kelvin-Wert) des Lichts konstant, wirken selbst an verschiedenen Tagen aufgenommene Produkte im selben Katalog stimmig.
Um harte Schatten zu vermeiden, sollte das Licht über einen Diffusor statt direkt auf das Produkt treffen. Bei einem Metallaccessoire erzeugt direktes Licht Blendung und scharfe Schatten, ein Diffusor reduziert dieses Problem deutlich.
Hintergrundwahl und Konsistenz
Ein nahtloser Hintergrund (Seamless) ist Papier oder Stoff, das in einer Kurve aufgehängt wird, sodass die Ecke, an der Boden und Wand aufeinandertreffen, nie sichtbar wird. Ein Produkt, das davor aufgenommen wird, zeigt im Hintergrund keine sichtbare Linie oder Schattenkante. Für Katalog- und Marktplatz-Hauptbilder ist ein weißer Seamless-Hintergrund die sicherste Wahl, auch Plattformen wie Google Merchant Center verlangen einen schlichten, schattenfreien Hintergrund.
Marktplätze wie Trendyol oder Amazon folgen bei ihren Regeln für Hauptbilder einer ähnlichen Logik: ein schlichter Hintergrund, der nicht vom Produkt ablenkt. Für Lifestyle- oder Social-Media-Bilder eignet sich dagegen eine strukturierte, farbige oder markentypische Szene, doch beide Zwecke sollten nicht mit demselben Foto abgedeckt werden, es sind zwei getrennte Aufnahmebedürfnisse.
Bleiben Hintergrundfarbe und Abstand zwischen Produkt und Hintergrund während des gesamten Shootings gleich, wirkt jedes neu hinzugefügte Produkt automatisch stimmig mit den vorherigen, diese Konsistenz spart später bei der Bearbeitung Stunden.
Kamera und Aufbau
Eine aktuelle Handykamera liefert, fest auf einem Stativ montiert und mit manuellem Fokus sowie manueller Belichtung genutzt, für Katalogbilder ausreichende Qualität. Entscheidend ist nicht die Kamera, sondern die Stabilität. Aus der Hand aufgenommene Bilder tragen selbst beim besten Handy ein leichtes Wackeln und einen uneinheitlichen Winkel.
Eine Spiegelreflex- oder spiegellose Kamera bietet vor allem bei Detailaufnahmen, Naht, Textur, Materialoberfläche, mehr Kontrolle. Bei einem Berufsbekleidungshersteller, dessen Stoffstruktur sichtbar sein muss, wird dieser Unterschied deutlich. Für den grundlegenden Katalogbedarf ist diese Ausrüstung jedoch nicht zwingend.
Ein Fernauslöser oder Timer beseitigt das Wackeln, das durch die Berührung der Kamera im Auslösemoment entsteht, dieses kleine Detail macht besonders bei schwachem Licht mit längerer Belichtungszeit einen Schärfeunterschied aus.
Winkel und Bildaufbau: wie viele Aufnahmen
Für ein Produkt werden mindestens vier Aufnahmen empfohlen: eine gerade Frontalansicht, eine Dreiviertelansicht, eine Detailaufnahme (Material, Naht, ein charakteristisches Element wie ein Knopf) und eine Aufnahme, die das Produkt im Gebrauch und damit seine Größe zeigt. Eine einzige Frontalaufnahme allein erschwert es dem Kunden, sich das Produkt in der Hand vorzustellen.
Die Maßstabsaufnahme macht besonders bei Produkten mit unklarer Größe (eine Tasche, ein Möbelstück) einen Unterschied. Wird das Produkt zusammen mit einer Hand, einem Tisch oder einem vertrauten Gegenstand gezeigt, schätzt der Kunde die Größe deutlich genauer ein.
Bei einem Produkt mit Varianten (Farbe, Größe) sollten Winkel und Bildaufbau für jede Variante identisch wiederholt werden, wird eine Variante von vorn und eine andere seitlich aufgenommen, wirkt die Katalogseite uneinheitlich.
Bearbeitung: Farbgenauigkeit und ein sauberer Hintergrund
Wird der Weißabgleich während der Aufnahme mit einer Graukarte eingestellt, verlangt die Farbkorrektur bei der Bearbeitung nur wenig Aufwand. Ohne Karte kostet es später Zeit, Farbabweichungen zwischen Aufnahmen aus leicht unterschiedlichem Licht anzugleichen.
Wird der Hintergrund vollständig reinweiß (RGB 255,255,255) aufgenommen, lässt sich diese Einstellung in Stapelverarbeitungs-Software mit einem einzigen Vorgang auf die gesamte Serie anwenden, das ist deutlich schneller als jedes Bild einzeln von Hand zu bearbeiten.
Eine Bearbeitung, die die tatsächliche Farbe oder Struktur des Produkts so stark verändert, dass sie nicht mehr der Realität entspricht, verstößt gegen Marktplatzregeln und erhöht die Retourenquote. Sieht ein Kunde, dass das gelieferte Produkt vom Foto abweicht, verliert er Vertrauen. Bearbeitung dient dazu, Licht und Hintergrund zu bereinigen, nicht das Produkt anders darzustellen, als es ist.
Schritt für Schritt: einen Fototag planen
Wie produktiv ein Fototag verläuft, entscheidet sich in der Vorbereitung, bevor die Aufnahme überhaupt beginnt.
- Licht- und Hintergrundaufbau einmal einrichten und über den ganzen Tag nicht verändern
- Weißabgleich mit einer Graukarte einstellen und über den ganzen Tag konstant halten
- Produkte nach Kategorie gruppieren und Produkte derselben Kategorie hintereinander aufnehmen
- Pro Produkt mindestens vier Aufnahmen machen: Front, Dreiviertelansicht, Detail und Maßstab
- Aufnahmen sofort nach dem Shooting prüfen und bei Schärfe- oder Lichtproblemen noch am selben Tag wiederholen
- Bearbeitung in Stapelverarbeitung vornehmen und Farb- sowie Hintergrundkorrektur auf die gesamte Serie gleichzeitig anwenden
Mit dem eigenen Team aufgenommene Produktfotos decken den größten Teil des Katalog- und Marktplatzbedarfs ab, solange Licht und Hintergrund konsistent bleiben, Kampagnen- und Lifestyle-Bilder verlangen weiterhin eine eigene Produktion. In einem Erstgespräch mit rabbitclip werden die vorhandenen Produktbilder geprüft und gemeinsam geklärt, welcher Bedarf im eigenen Haus und welcher mit professioneller Produktion abgedeckt wird.
Häufige Fragen
Braucht man für Produktfotos eine professionelle Kamera?
Nein, eine aktuelle Handykamera auf einem Stativ reicht für Katalogbilder in der Regel aus.
Wie viele Aufnahmen sollten pro Produkt gemacht werden?
Mindestens vier: Frontalansicht, Dreiviertelansicht, eine Detailaufnahme und eine Aufnahme, die die Größe des Produkts zeigt.
Welcher Hintergrund eignet sich für ein Marktplatz-Hauptbild?
Ein schlichter, nicht ablenkender weißer Hintergrund, die meisten Marktplätze verlangen für Hauptbilder eine ähnliche Regel.
Darf die Farbe des Produkts bei der Bearbeitung verändert werden?
Nein, eine Bearbeitung, die das Produkt anders zeigt, als es ist, verstößt gegen Marktplatzregeln und erhöht die Retourenquote.
